Exkursion Holzmaden

Fährt man auf der Autobahn A8 zwischen Stuttgart und Ulm, ist der Aichelberg meist ein Nadelöhr für den Verkehr, müssen doch gerade hier die Lastwagen wegen der Steigung besonders langsam fahren. Durch das langsamere Fahren können den Autoinsassen somit an der Autobahnausfahrt „Aichelberg“ die großen weißen Schilder über die Urweltfunde in Holzmaden ins Auge fallen. Aber ist dies ein Grund, von der Autobahn abzufahren? Ja, ist es!  Auch diese Gegend war - wie der ganze Süddeutsche Raum- von vor 180 bis vor 130 Millionen Jahre von einem Meer überflutet. In diesen 50 Millionen Jahren Jurameer lagerten sich unterschiedliche Schichten auf dem Meeresgrund ab, die sich auch heute noch nachverfolgen lassen. In der Gegend um Solnhofen und das Altmühltal wurde besonders Kalk abgelagert (siehe Spaziergang Solnhofen), der teilweise sehr regelmäßig gebankt und vor allem aus Schwammriffen entstanden ist und dessen Farbe charakteristisch für das „weiße“ Juragestein ist. Die Schichten des Jura, die man aber heute um Holzmaden herum findet, werden „Schwarzes“ Juragestein genannt: zwar wurden hier auch Kalke abgelagert, doch sind diese mit Sandsteinen, Tonen, Mergeln und Schiefer vermischt und vor allem mit Schwefelkies und Bitumen, das ist fein verteiltes Erdöl, eingefärbt, was ihm auch den Namen „Ölschiefer“ gibt.


Man vermutet, dass sich in der heutigen Holzmadener Gegend in der Jurazeit ein Sedimentbecken befunden hat, in dem sich besonders zahlreich die Überreste von Meeresbewohnern gesammelt haben – und genau diese kann man heute noch zwischen den Gesteinsschichten finden. Da hier auch viele kleine Muscheln gefunden wurden, die Posidonia genannt wurden, nennt man das Gestein auch „Posidonienschiefer“.


Eine erste Adresse für mehr Informationen und Anschauungsbeispiele für bereits gefundene Fossilien ist das Urweltmuseum Hauff.  Dieses wurde von Dr. h.c. Bernhard Hauff sen. (1866-1950), einem Nachfahren des Dichters Wilhelm Hauff gegründet und mit seinem Sohn Prof. Dr. Bernhard Hauff jun. (1912-1990) aufgebaut. Das erste Museum steht in Holzmaden seit 1936/37. Hier findet sich mitten im Museum ein riesiger Schichtaufbau mit 16 Meter Länge und 5 Metern Höhe im Maßstab 1:1 aufgebaut, wie er für die Umgebung von Holzmaden typisch ist.

Dieser Schichtaufbau enthält 17 Schichten, die einen Eindruck von den verschiedenen Ablagerungen geben und in welchen die unterschiedlichen Lebewesen, welche zu den jeweiligen Zeiten der Ablagerung gelebt haben, zu sehen sind.

Aufbau der Schichtabfolge im Museum

Dass die ausgestellten Fossilien noch so detailliert erhalten sind, liegt an der Zusammensetzung des Meeresschlammes aus planktonischen Organismen wie Pollen und Sporen, aber vor allem auch Algen, welche die abgestorbenen Lebewesen umschlossen, ohne deren Strukturen zu schädigen und unter sauerstoffarmen Bedingungen über Jahrmillionen zu Schichten gepresst wurden. 

Man kann nur in etwa ahnen, welche gewaltigen Mengen organischer Biomasse sich am Erdboden abgelagert haben müssen die sich, schaut man die einzelnen Stufen genau an, noch in kleinsten Schichten sedimentiert wurden.

Neben den ausgestellten Fossilien, d.h. den teilweise mehreren Metern großen Sauriern (Fische, Krokodile aber auch Flugsauriern, Ammoniten u.v.m) ist aber vor allem die 18 x 6 Meter große Seelilienkolonie beeindruckend, die sich entlang eines Baumstamms wie ein modernes Gemälde über eine große Wand des Museums erstreckt.


Ein weiterer Bereich des Museums zeigt anschaulich, wie die einstigen Lebewesen sedimentiert und fossilisiert wurden. Obwohl die Fossilien während der Sedimentation auf den circa zwanzigsten Teil ihres ursprünglichen Umfangs zusammengepresst wurden, sind einige Überreste – besonders die Skelette der Saurier – noch dreidimensional erhalten geblieben.  Was jedoch nach dem Fund der Fossilien im Steinbruch noch geleistet werden muss, damit der Besucher die Versteinerungen bewundern kann, zeigt eine eigene Abteilung des Museum. Hier wird der Vorgang der Präparation mit den Materialien und Hilfsmitteln nachgestellt, die teilweise einige Monate in Anspruch nimmt.

Im Park des Museums sind weitere Ergebnisse der Arbeit eines Fossilienpräparators zu sehen: aus seinen fossilen Überresten können nämlich die Gestalt und das Aussehen der Lebewesen rekonstruiert werden. Dabei spielen Vergleiche und Verwandtschaften mit heute lebenden Tieren eine ebenso große Rolle wie Rückschlüsse auf den damaligen Lebensraum und dessen Veränderungen.  Viele Einzelheiten sind und bleiben offen, da trotz detaillierter Knochenfunde eine umfassende Rekonstruktion nicht möglich ist. Dennoch sind die, den Fossilien nachgebildeten, teilweise riesigen Dinosaurier im Park spannend und interessant. 

Urwelt-Museum Hauff
Aichelberger Straße 90
73271 Holzmaden
Telefon: 07023/2873
http://www.urweltmuseum.de/

Öffnungszeiten:
Ganzjährig Dienstag bis Sonntag 9 – 17 Uhr

Anfahrt:
Autobahn A8 Stuttgart/Ulm
Ausfahrt Aichelberg oder Ausfahrt Kirchheim Ost (ausgeschildert) 

Wollen Sie selbst auch nach Fossilien suchen?
Das können Sie z.B. direkt gegenüber dem Museum im Museumssteinbruch. Hier können Sie gegen eine geringe Leihgebühr auch Hammer und Meisel ausleihen und selbst nach versteinerten Lebewesen suchen. Da die Ölschieferplatten teilweise scharf sein können empfehlen wir einen Besuch der Steinbrüche ab circa 4 Jahren. Der Zugang mit Rollstuhl zu den Steinbrüchen ist unterschiedlich. Bitte fragen Sie bei Bedarf telefonisch noch einmal nach. Weitere Informationen zu Öffnungszeiten und Gebühren finden Sie unter: www.urweltsteinbruch.de Der Steinbruch beim Museum mag bei wenig Zeit einen Eindruck für das Gestein und das Sammeln von Fossilien geben. Wir empfehlen Ihnen jedoch, den Weg zum Steinbruch Kromer in Ohmden, wenige Kilometer weiter, auf sich zu nehmen, da hier die Anzahl der schönen Funde weitaus größer ist, als beim Museum.

Weitere Informationen unter: www.schieferbruch-kromer.de