Exkursion Kropfmühl

Eines der ältesten Zeugen von seit Millionen von Jahren in einer Form gebundenem Kohlenstoff ist das Gestein Graphit, denn es entstand aus Algen, die Kohlenstoff vor über 540 Millionen Jahren aus der Atmosphäre entnommen haben. Graphit kommt auf der ganzen Welt vor und ist ein grau-schwarzes Gestein, das, wenn man es zerkleinert, in kleine Plättchen zerbröselt.  Graphit wird mittlerweile für viele Zwecke gebraucht, die alltäglichste und bekannteste Benutzung ist aber wohl in Form einer Bleistiftmine. So erklärt sich auch leicht der Name des Gesteins, der aus dem Griechischen γραφειν (graphein) abgeleitet wurde und „Schreiben“ bedeutet, denn sogar mit einem frisch aus dem Fels geschlagenen Graphitstück kann man direkt auf Papier schreiben. Der Graphitabbau hat eine lange Tradition – schon in der Keltenzeit wurde es gefördert. Heute geschieht dies weltweit, vor allem in China – in Deutschland gibt es jedoch nur ein einziges Gebiet, in welchem es durch Bergbau unter Tage abgebaut wird: in Kropfmühl. (Oder zumindest bis vor kurzem, da das Bergwerk 2006 stillgelegt wurde.)

 

Das Graphit-Besucherbergwerk in Kropfmühl
Das Besucherbergwerk in Kropfmühl ist direkt an die Graphit Kropfmühl AG  angegliedert und bietet einen umfangreichen Einblick in Abbau, Verarbeitung und Produktpalette von Graphit. Obwohl in Kropfmühl mittlerweile kein Graphit mehr abgebaut wird, bereiten die Mitarbeiter noch immer das Gestein für die weitere Verarbeitung auf.

Das Bergwerg ist nur im Rahmen einer Führung zu besuchen. Bei Wartezeiten für den nächsten Rundgang können im Eingangsbereich des dem Stollen angeschlossenen Besucherzentrums die Geschichte des Abbaus, Maschinen der Graphitbearbeitung sowie einige Produkte betrachtet werden. Die Führung selbst beginnt mit einem 20 minütigen Videofilm über Graphit und das Besucherbergwerk. Danach heißt es umziehen und Helm sowie Umhang anlegen, um sich mit dem Bergarbeiterspruch „Glück auf“ und Arbeitskleidung auf den Weg in den Stollen zu machen. Ein Bergmann erzählt beim Hinabsteigen in den Berg die wichtigsten Informationen, die es über den Stollen zu wissen gibt. 

Er erklärt, mit welchen Hilfsmitteln, zum Beispiel riesigen Bohrern die Graphitschichten im Fels gefunden und frei gelegt  wurden. Dabei war natürlich die Sicherung der Stollenwände besonders wichtig. Gearbeitet haben die Bergmänner dabei lieber mit Holz, auch wenn das vielleicht nicht so stabil sein mag, denn das Holz knackt leise, wenn der Berg sich bewegt und kracht laut, bevor es ganz bricht, während zum Beispiel Eisen zwar mehr Druck aushält aber schlagartig ohne Vorwarnung plötzlich umknickt.


Auf dem Weg durch den Berg werden auch die Hilfsmittel beim Abbau des Gesteins sichtbar. Neben großen Schaufelmaschinen, die wegen ihrer Größe in Einzelteilen unter Tage gebracht werden und dort erst zusammengebaut werden konnten, musste eine Art Schienennetz verlegt werden, um die mit Graphit gefüllten Wagen (genannt Hunt) zu den Förderbahnen für die Weiterverarbeitung befördern zu können.


Eine Besonderheit beim Rundgang durch den Berg findet sich an einer für Geologen besonderen Stelle: hier zeigt sich plötzlich an der Stollendecke eine Marmorbank, die sich durch den Berg zieht.

Wie hart das Leben eines Bergmanns gewesen sein muss, kann der Besucher erahnen, wenn eine der Maschinen unter Tage in Gang gesetzt wird. Dabei erschwerte nicht nur die Lautstärke, sondern auch die körperlich anstrengende Arbeit im Schichtbetrieb, die Dunkelheit und die Luft und klimatischen Bedingungen im Berg die Arbeit.  So ist man auch als Besucher froh, nach der Führung wieder das Tageslicht zu sehen.

Industrielle Nutzung
Graphit wird heute nicht nur für die Herstellung von Bleistiftminen verwendet, sonder ist aufgrund seiner Eigenschaften in vielen industriellen Bereichen von Nutzen. So hat es wegen seiner Aufbaustruktur (große Abstände im kristallinen Bau) eine hervorragende Schmierwirkung und wird in Lagern oder Dichtungen sowie Motoren als Schmierstoff verwendet. Darüber hinaus hält Graphit hohe Temperaturen aus, was den Einsatz als Schmelztiegel oder Gießform für heiße Materialien wie zum Beispiel der Aluminiumherstellung oder als Auskleidung in Öfen nahe legt. Auch die Resistenz gegen Säuren macht diesen ansonsten ungefährlichen und ungiftigen Stoff wertvoll für die chemische Industrie.  Der größte Anteil des Graphit, der heute industriell verwendet wird, kommt aus China, da dieses Gestein schon für 800 Euro pro Tonne frei Bergwerk verkauft wird. In Kropfmühl kostet die Tonne dagegen schon 2000 Euro. Besonderes Graphit, das für Spezialanwendungen gebraucht wird, kann jedoch bis zu 15 000 Euro wert sein.  Früher gab es im Gebiet um Kropfmühl einige hundert Werke. Das letzte, in Kropfmühl, wurde Ende 2006 geschlossen.

Der Besuch im Bergwerk ist auch für Kinder (ab circa 4-5 Jahren) empfehlenswert. Bitte achten Sie darauf, dass es im Berg dunkel und eng sowie bei Vorführung von Gerätschaften sehr laut werden kann. Ein Besuch mit Rollstuhl ist leider nicht möglich.

Anfahrt:
Das Besucherbergwerk liegt circa 20 Minuten Autofahrt von Passau entfernt und ist schwer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.  Fahren Sie ab Passau flussabwärts in Richtung Hauzenberg (gut beschildert) und dort geradeaus durch den Ort nach Kropfmühl. Folgen Sie der Beschilderung „Besucherbergwerk“.

Öffnungszeiten:
März und April: Mittwoch bis Sonntag 13-15 Uhr
Mai bis Oktober: Dienstag bis Samstag 10-15 Uhr                        
Sonn- und Feiertage 12-15 Uhr (letzte Führung jeweils um 15 Uhr)
Weitere Informationen zum Besucherbergwerk unter:
http://www.graphite.de (Link: Besucherbergwerk)

Kontakt:
Graphit Kropfmühl AG
Langheinrichstr. 1
94051 Hauzenberg

Tel: (0 85 86) 6 09-1 47 oder 6 09-0
Email: besucherbergwerk(at)gk-graphite.com