Moorbildung und CO2-Bindung

Moore sind gefährlich, gruselig und schlammig! Das ist wohl die Meinung der meisten, wenn es um dieses Thema geht. Und nicht ohne Grund, wird uns doch durch Literatur und Film oft diese Vorstellung bestätigt, sei es im »Erlkönig« (Goethe) oder in dem Gedicht »Der Knabe im Moor« (Droste Hülshoff) oder in dem Buch »Der Herr der Ringe« (Tolkien), wenn Frodo von Smeagol durch die Totensümpfe geführt wird, oder in der »Unendlichen Geschichte« (Ende), wenn Atreju sein Pferd in den Sümpfen der Traurigkeit verliert. Und dann gibt es ja auch noch die Moorleichen … Wäre es nicht besser, wenn es gar keine Moore mehr gäbe? Wozu sind sie gut und was soll das alles mit dem Thema CO2 zu tun haben?

Moorverteilung in Deutschland

Entstehung und Funktion von Mooren
Moore entstehen aus den Überresten von Pflanzen, die nicht zersetzt wurden. Dadurch spielen sie eine wichtige Rolle im Kohlenstoffkreislauf, weil hier durch die Photosynthese das in den Pflanzen gebundene CO2 beim Absterben nicht wieder freigesetzt wird, sondern über lange Zeit – manchmal Jahrmillionen bis hin zur Entstehung von Steinkohle – im Boden festgesetzt wird. Moore entziehen – solange sie gesund sind – der Atmosphäre CO2 und speichern es. So können je nach Zersetzungsgrad 40 bis 60 Prozent bei Trocknung des Moores aus Kohlenstoff bestehen. Das sind circa 500 Gramm pro Kilogramm Torf. Mehr als in einem Kilogramm Holz (in einem Kilogramm trockenem Buchenholz sind etwa 400 Gramm Kohlenstoff gespeichert)! Moore entstehen überall dort, wo zwei Bedingungen erfüllt sind: eine wasserundurchlässige Unterschicht, auf welcher sich das Wasser ansammeln kann, und mindestens 1.200 bis 1.500 Millimeter jährlicher Niederschlag. Diese Bedingungen werden in Deutschland in zwei Regionen erfüllt. An der Küste im Norden, wo es viel Niederschlag im Jahresdurchschnitt gibt und sich die Moore über weite Strecken ausdehnen können, und im Süden von Deutschland, am Alpenrand, wo die Berge als Wolkenbremsen für ausreichend Regen sorgen. Moore brauchen eine lange Zeit, um zu entstehen, und müssen laut Definition mindestens 30 Zentimeter Torf – so nennt man die Schicht der organischen abgestorbenen Pflanzenmasse – aufweisen. Bei der Entstehung bilden sich zunächst sogenannte Nieder- oder Flachmoore. Diese werden noch vom Grundwasser feucht gehalten. Im Gegensatz dazu wachsen in Hochmooren nur die obersten Schichten – an den Torfmoosen. Im Übergang von Flach- zu Hochmooren wachsen die Moose immer weiter nach oben, während sie in den unteren dunklen und sauerstoffarmen Schichten absterben und »vertorfen«. Dadurch fehlt der Zugriff auf das Grundwasser. Torfmoose können dennoch durch die Niederschläge weiter wachsen – es entsteht ein Hochmoor, das ausschließlich »von oben« sein Wasser enthält. Es lebt also mehr oder weniger ausschließlich von reinem Wasser und CO2. So werden Hochmoore oft von einer Art Pufferzone aus Niedermooren umgeben; die Moore verändern sich jedoch stetig.

Hochmoorfläche
Torfmoos
Moorfläche mit Kiefernbeständen

 
Die Torfmoose haben eine extrem große Wasserspeicherkapazität und wirken wie ein lebender Schwamm. Dies wird anschaulich, wenn man eine Handvoll Torfmoose zusammendrückt. Damit zeigt sich aber auch die Abhängigkeit vom Wasser, welche Moore so sensibel für Umwelteinflüsse macht. Fehlen also die Niederschläge oder wird Wasser durch Drainagen abgeführt, trocknen die obersten Schichten schnell aus. Moore sind für Pflanzen und Tiere aufgrund der Nähr- und Mineralstoffarmut, aber auch durch die Sonnenexposition und der daraus entstehenden Anfälligkeit in Trockenperioden extreme Lebensorte. Dabei sind in Niedermooren andere Tier- und Pflanzenarten anzutreffen als in Hochmooren. Wo in den Niedermooren noch Schilf, Mädesüß und eine Vielzahl anderer Pflanzen gedeihen, enthält das Hochmoor zu viel Säure, als dass – außer Spezialisten wie Sonnentau und Moosbeere – mehr als Torfmoose überlebend könnten. Lediglich auf kleinen trockeneren Anhöhen können noch Fichten, Kiefern und Birken existieren. Wie groß der Unterschied hier ist, lässt sich am besten bei einem Weg durch die Moortypen erfahren: Kann man Niedermoore noch einigermaßen trockenen Fußes begehen, steht man im Hochmoor schnell bis zu den Knöcheln und weiter im Wasser. Dieses ist aber überhaupt nicht schlammig oder brackig, sondern oft klar, da es sich ja um das reine Regenwasser handelt. Waren außerdem die Pflanzen und der Untergrund im Niedermoor noch etwas härter und kantiger, umschließt das Moos im Hochmoor weich und angenehm die Füße.

Trittfest ist so ein Moor nicht.

Man sollte sich dabei vor zwei Dingen in Acht nehmen: vor Schlangen, meist Kreuzottern, die man aber durch den Lärm beim Laufen meist verscheucht, und vor Wasserlöchern, die mit Torfmoosen überwachsen sind. Diese kann man oft mit bloßem Auge erkennen, da sie etwas tiefer liegen und frische Torfmoose eine andere Farbe haben. Jedenfalls sollte man nie alleine ins Moor gehen, damit man sich im Notfall gegenseitig helfen kann. Auch stehen die meisten Moore unter Naturschutz, sodass es oft nicht gestattet ist, abseits vom Weg zu spazieren.

Obwohl die beschriebenen Eigenschaften von Mooren als Wasserspeicher oder beim Binden von Kohlenstoff sowie auch ihre kühlende Wirkung auf die Umwelt enorm wichtig sind, setzt der Mensch den Mooren seit Jahrhunderten zu und hat sie etwa in Deutschland bis auf wenige Reste fast ganz zum Verschwinden gebracht. Der Grund: Moore, insbesondere Hochmoore, lassen sich nicht landwirtschaftlich nutzen und bilden für die Landwirtschaft »totes« Gelände. Besonders aus diesem Grund wurden und werden noch immer Moore trockengelegt, um eine landwirtschaftliche Nutzung zu ermöglichen. So lebt von den 13.000 Quadratkilometern Torffläche in Deutschland mittlerweile nur noch ein kleiner Teil.

Da getrocknete Torfe reich an Kohlenstoff sind, den die Moose als CO2 aus der Luft gesogen hatten, können diese verbrannt werden, um zu kochen und zu heizen, was gerade im 18. und 19. Jahrhundert insbesondere für ärmere Menschen eine billige Alternative zu Holz bedeutete. Heute wird er auch als Erde für Balkonpflanzen oder zur Champignonzucht verwendet, wobei diese Torferde allerdings noch mit Kunstdünger und oft auch mit Kalk versetzt werden muss. Denn von sich aus ist Torf sehr mineralarm. – Torf kann auch ein Luxusartikel sein, beispielsweise in einem Moorbad, das sowohl wärmend als auch entzündungshemmend wirken soll. Weiter ist Torf auch für die Liebhaber irischen und schottischen Whiskys von Bedeutung, da dort der Malz über Torffeuer getrocknet wird und dabei unverwechselbare Aromen annimmt, die man im gebrannten Whisky schmecken kann. Von weltweit vier Millionen Quadratkilometern Torffläche – das sind drei Prozent der Erde – ist ein großer Teil mittlerweile zerstört und kann damit kein CO2 mehr binden. Im Gegenteil: Der gelagerte Kohlenstoff wird wieder freigesetzt. Denn wenn das Moor trockengelegt wird, gelangt der Sauerstoff der Luft durch zahllose winzige Kapillaren, die alle zuvor mit Wasser gefüllt waren, in den Torfkörper. Der Kohlenstoff wird dabei langsam zu CO2 oxidiert. Dabei ist die Renaturierung von Mooren eigentlich sehr einfach, indem man der Landschaft wieder ihr Wasser belässt und dafür sorgt, dass es nicht abläuft. So kann auf freigelegten Flächen wieder Torfmoos entstehen und wachsen, und schon nach wenigen Jahren kann wieder ein lebendiges Moor entstehen. Wir stellen im Folgenden einen Spaziergang durch das Moormuseum Moordorf bei Aurich in Ostfriesland vor. Dieses Museum zeigt zum einen die Bedingungen, unter denen die frühen Moorkolonisten leben mussten. Es verfügt aber auch über einen kleinen Hochmoorrest, an dem man alles sehen und spüren kann, was ein Hochmoor ausmacht. Zwar vermittelt das kleine Hausmoor keinen so tiefen Eindruck von der Ästhetik eines Moores wie dies andere Moore, zum Beispiel das ebenfalls nicht weit entfernt gelegene »Ewige Meer«, vermögen. Der Spaziergang in Moordorf hat aber den Vorzug, auch Kinder jeden Alters zu begeistern.

Moormuseum Moordorf
Das Museum zeigt verschiedene Hütten, die begangen werden können – für Kinder ein großer Spaß. Auf dem Gelände gibt es auch einige Ziegen, was die Kleineren freuen wird. Über das Jahr verteilt gibt es verschiedene Museumsprojekte, bei denen mit Torf oder Lehm hantiert werden kann. Ostfriesland war ursprünglich weitgehend von Mooren bedeckt. Diese Moore wurden seit dem 18. Jahrhundert mehr und mehr kultiviert und in Ackerland umgewandelt. Das Leben im Moor war äußerst hart, und der Ertrag der Ackerflächen, die dem Moor durch Entwässerung oder Brandrodung abgetrotzt wurden, war nur gering. Mit ergreifenden Tatsachen - berichten schildert das Museum das bittere Elend der Menschen, die, weil sie nirgendwo sonst Zuflucht fanden, im Moor lebten. Einige prähistorische Funde, die in der Gegend um Moordorf im Moor geborgen wurden, da runter auch eine Goldscheibe aus der Bronzezeit, werden ebenfalls (in Kopie) gezeigt. Der Freiluftbereich zeigt verschiedene Kolonistengebäude, die aus Holz, Lehm und Torfplacken errichtet wurden. Denn der aus dem Moor gewonnene Torf war nicht nur eine Handelsware, die auf Kähnen in die Städte verschifft wurde, er war auch Brennstoff (getrocknet brannte er besser als Holz) sowie Baumaterial. Der Weg führt schließlich zum »Hausmoor« des Moormuseums. Es ist angestochen und vermutlich als Moor nicht mehr wirklich intakt. Aber man sieht vielleicht gerade deshalb die Schichten des Moores ganz klar: Unten liegt der dunkle, gut verwendbare Torf, darüber der wenig geschätzte sogenannte Weißtorf und obenauf wächst das Moos in die Höhe. Wie Tausende Lagen riesiger Teppiche wölben sich die Schichten nach oben. Gerade das ist das zentrale Phänomen eines Hochmoores: Es steigt als Fläche langsam in die Höhe, wobei es den Grundwasserspiegel übersteigt, sodass es schließlich nur noch vom Regenwasser gespeist wird – und von CO2. Es gibt keinen anderen Ort, der den Zusammenhang zwischen Pflanzenwachstum und CO2 so deutlich macht wie ein Hochmoor, und das Hochmoor am Moormuseum ist, obwohl es klein ist und keinen landschaftlichen Eindruck vermittelt, in besonderer Weise geeignet. Denn das wachsende Torfmoos ernährt sich ja von nichts anderem als von Regenwasser und CO2. Ihm werden über das Grundwasser keine Nährstoffe zugeführt – denn es hat sich längst über das Grundwasser hinausgehoben! Und wenn eine Schicht Moos vergangen ist, so wird sie nicht zersetzt, sondern konserviert. Übrig bleibt am Ende ein fossiler Energieträger: der Torf. In Friesland wird dieser Torf auch heute noch hier und da in Anlagen zur Energieerzeugung genutzt – so wird er zum Beispiel zum Brennen von Backsteinen verwandt, die, wenn sie mit Torf und nicht mit Erdgas gebrannt werden, eine schön bunte Färbung erhalten. Für die Stromerzeugung wird Torf nicht mehr benutzt. Jedoch sind auch die in Deutschland viel verwendeten fossilen Energieträger Steinkohle und Braunkohle ebenfalls nichts anderes als verfestigter, uralter Torf. Torf ist aber nicht nur ein Energieträger, sondern auch ein Archiv! Jede neue Wachstumsperiode der Torfmoose wirkt wie ein grüner Teppich, der sich über die älteren Schichten legt. Und fast alles, was von außen in das Moor und damit in und zwischen die Schichten gelangt, bleibt erhalten – seien es Holz, Schmuck, Pflanzenpollen oder Leichname. Diese Archive sind für die Archäologie wie auch für die historische Umweltforschung von höchstem Interesse, denn nur mit den hier gelagerten Informationen kann man zum Beispiel die Geschichte der deutschen Wälder rekonstruieren. Verlässt man das Moormuseum, so werfe man einen Blick auf den davorliegenden Wassergraben: Es ist ein typischer Entwässerungsgraben. Solche Gräben wurden ausgehoben, um zum einen das Wasser aus den Mooren abfließen zu lassen und zum anderen, um Verkehrswege zu schaffen, auf denen Torf in die Städte gebracht werden kann. In ganz Friesland – ja überhaupt vielerorts in Norddeutschland und auch in den nördlichen Niederlanden – trifft man auf ähnliche Kanäle. Sie werden normalerweise Fehn genannt, manchmal auch Feen oder Venn. Allein ein Aufsuchen aller norddeutschen Ortsnamen, die diese Silbe führen, zeigt, wie ausgedehnt die Moorflächen einmal waren, die der Mensch inzwischen trockengelegt und seiner Nutzung unterworfen hat. Heute, im Zuge der Klimadiskussion, werden manche trockengelegte Moore wieder vernässt. Grund ist, dass aus einem trockenen Moor kontinuierlich Treibhausgase – CO2 und Methan – entweichen. Wird das Moor wieder unter Wasser gesetzt, so wird auf diese CO2-Quelle gewissermaßen ein Stöpsel gesetzt. Auch die vielen besonderen Lebewesen, die an das Leben im kargen Moor angepasst sind, freuen sich darüber. Die Wiedervernässung von Mooren ist eines der Beispiele, wie Klimaschutz und Naturschutz Hand in Hand gehen können. Ähnliche Möglichkeiten zur Begehung von Mooren kann man im Süden und Norden Deutschlands an verschiedenen Stellen wahrnehmen. Untenstehend einige Hinweise auf weitere Moore.

Moormuseen im Norden Deutschlands

Moormuseum Benthullen
bei Oldenburg, Hof Berg
Zu den Birken 15, ab Ammerländer Straße
26203 Benthullen
Telefon 04407/83 02
www.wardenburg.de/sehenswu/moormuseum.htm

Emsland Moormuseum
Geestmoor 6
49744 Geeste - Groß Hesepe
Telefon 05937/70 99 90
www.moormuseum.de

Haus im Moor
Goldenstedt, Naturschutz- und Informationszentrum
NIZ Goldenstedt
Arkeburger Straße 22,
49424 Goldenstedt
Telefon 04444/26 94
www.niz-goldenstedt.de/einrichtungen/haus-im-moor

Moormuseen im Süden Deutschlands

Wurzacher Ried
Naturschutzzentrum Bad Wurzach (bei Memmingen)
Rosengarten 1
88410 Bad Wurzach
Telefon: (0 75 64) 93 12 13
www.naz-wr.de

Moor- und Torfmuseum
Chiemsee Rottau
Samerweg 8
83224 Grassau
www.torfbahnhof-rottau.de
Telefon/Fax 08641/21 26

Ainringer Moos
Adelstetten 44
83404 Ainring
Telefon 08656/98 99 99
www.ainringer-moos.de

Anfahrt
Über die Bundesstraßen 72 und 210, circa fünf Kilometer westlich der Stadt Aurich.

Öffnungszeiten
Die Anlage ist vom Frühlingsanfang bis zum 31. Oktober geöffnet.
Mo bis So 10:00-18:00 Uhr

Informationen
Moormuseum Moordorf e.V.
Victorburer Moor 7a
26624 Südbrookmerland
Telefon 04942/27 34
www.moormuseum-moordorf.de

Übersichtskarte Moormuseum Moordorf.