Exkursion Solnhofen und Umgebung

Solnhofen und seine umliegenden Steinbrüche sind weithin bekannt, denn hier bietet sich – neben der industriellen Nutzung des Gesteins – für Interessierte ein besonderer Einblick in die geologische, ökologische und biologische Vergangenheit vor circa 150 Millionen Jahren. In dem Meer, das Süddeutschland von vor 180 bis vor 130 Millionen Jahre im Zeitalter des Jura bedeckte, war im Bereich des heutigen Solnhofen damals ein riesiges Riff mit reichlich Flora und Fauna verschiedenster Arten. Dieses war durchzogen mit Senken und Wannen, in welchen sich im Laufe der Zeit abgestorbene Korallen sowie Muscheln und Kalkschalen – also Kohlenstoff - der Meeresbewohner in feinen Schichten ablagerten und dem „Plattenkalk“, wie man ihn heute findet, den Namen gibt. Dieser Kalk prägte die Landschaft in dieser Gegend. Jedoch sammelten sich nicht nur feinste Kalkplatten und –ablagerungen zu Schichten, dazwischen wurden auch Lebewesen der damaligen Zeit nach ihrem Tod von den Sedimenten luftdicht und ohne die feinen Strukturen zu zerstören, bedeckt und legen heute Zeugnis davon ab, wie vielfältig das Meer und das umgebende Land bevölkert waren. So finden sich hier nicht nur Fossilien von Meeresbewohnern wie Quallen, Ammoniten, Krebse, Fische und Meeressaurier, sondern auch Landorganismen wie Pflanzen, Insekten, Schildkröten, Eidechsen und kleine Dinosaurier, aber auch Urvögel und Flugsaurier. Wie eine Reise in die Vergangenheit aussehen kann, soll im Folgenden dargestellt werden:

Solnhofen - Die Welt in Stein
Solnhofen – mit dem Auto von Augsburg in ca. 1 Stunde. Anfahrt mit ÖVPN:  Solnhofen ist bequem mit der Bahn zu erreichen. Von Augsburg kann man mit der Regionalbahn in ca. 1 ¼ Stunden (Umsteigen in Treuchtlingen) in Solnhofen sein.



Exkurs zum Archaeopteryx

Im Solnhofener Plattenkalk finden sich viele unterschiedlich Lebewesen. Warum aber ist de Archaeopteryx darunter so besonders?

Als der versteinerte Urvogel Archaeopteryx 1861 im Kalk gefunden wurde (bis heute wurden weitere 9 Exemplare gefunden), erregte dieser Fund in mehrerer Hinsicht Aufsehen: zum einen war dies durch das Alter des Kalks ein gesicherter Hinweis, dass es schon in der Zeit des Jura Vögel gegeben haben musste. Bisher hatte man nur Überreste aus sehr viel jüngerer Zeit gefunden. Zum anderen zeigte sich aber bei genauerer Untersuchung, dass es sich bei der Art des Archaeopteryx um einen Übergang vom Reptil zum Flugtier handelt, was die Evolutionstheorie, die Darwin 1859 - also nur zwei Jahre vor dem Fossilienfund – veröffentlich hatte, weitgehend bestätigte.  Darwin hatte beschrieben, dass bei der Entwicklung neuer Arten zunächst Übergangsformen entstehen, welche Merkmale der alten, aber auch schon Eigenschaften neuer Arten haben. Fossilien für die Untermauerung seiner Theorie standen ihm jedoch noch nicht zur Verfügung. So erklärt sich auch, warum es bei der Untersuchung des  Archaeopteryx zum Streit darüber kam, ob es sich um einen Vogel mit Sauriermerkmalen oder um einen Saurier mit Vogelmerkmalen handelt.  Der Fund des Archaeopteryx hat jedoch nicht nur zum besseren Verständnis der Evolutionstheorie beigetragen, sondern ist eine wichtige Informationsquelle darüber, wie die Vorfahren heutiger Vögel ausgesehen haben und wie und warum sie sich so entwickelt haben.

Im oberen Stockwerk des Museums kann man sich über die Erfindung der Lithografie (Steindruck) durch Alois Senefelder um das Jahr 1798 informieren, für die nur der feinkörnige Solnhofener Stein verwendet werden kann.

Öffnungszeiten:
Vom 1. April bis 31. Oktober
täglich von 9 bis 17 Uhr
Vom 1. November bis 31. März
Sonntag von 13 bis 16 Uhr
oder nach Vereinbarung

               

Anschrift:
Bürgermeister-Müller-Museum,
Bahnhofstraße 8
91807 Solnhofen, Postfach 49
Tel. 0 91 45 / 83 20 30
Fax 0 91 45 / 83 20 50

http://www.solnhofen.de/index.php?id=0,49

 
Nach dem Besuch im Museum liegt ein Besuch im in der Nähe gelegenen Hobbysteinbruch nahe, um selbst nach einem weiteren Archaeopteryx oder auch nur einem Ammoniten oder Krebs zu suchen. Erfahrene Sammler haben bestimmt eigene Arbeitsgeräte, wie Hammer und Meißel, bei sich. Alle Anderen können sich in der Nähe des Museums gegen eine geringe Leihgebühr mit ausreichend Werkzeug versorgen.

Dass die Solnhofener Gegend durch den Kalk geprägt wird, erkennt man nicht nur im Museum, sondern auch z.B. durch die vielen Steinbrüche, die industriell für den Abbau und die Aufbereitung von „Juramarmor“ für die unterschiedlichsten Zwecke wie Fensterbänke, Fließen aber auch Brunnen und Küchenplatten und vieles mehr verwendet wird.

Der Kalk in dieser Gegend tritt noch durch eine ganz andere Art zu Tage – durch ein Naturschauspiel der besonderen Art, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte: die Steinerne Rinne.

 
Steinerne Rinne bei Rohrbach/Hundsdorf


Dieser Platz eignet sich besonders für eine längere Pause, da neben einem Spielplatz für Kinder eine große Spiel- und Picknickwiese vorhanden ist sowie ein Grillplatz und eine Wassertretstelle.  Der Besuch der steinernen Rinne ist somit empfehlenswert für die gesamte Familie, leider ist der Weg entlang der Rinne nicht für Rollstühle ausgerichtet.

Was sind steinerne Rinnen?
„Steinerne Rinnen, auch „Wachsende Steine“ genannt, entstehen durch Kalkabscheidungen aus fließendem Wasser. Normalerweise gräbt sich ein Bach durch die erosive Kraft des fließenden Wassers sein Bett. Bei steinernen Rinnen, einem seltenen Spiel der Natur, dagegen wird durch Kalkabscheidungen das Bachbett erhöht. Das Bächlein fließt schließlich auf einem Damm.“

Die Rinne entsteht durch den Kalk im abfließenden karbonatreichen Wasser, das an der Oberfläche durch die Landschaft fließt. Der Kalk, der bei diesem Abfluss „ausgefällt“ wird, setzt sich im Bachbett ab. Im Laufe der Zeit bildet sich dabei Kalktuff (hier auch Travertin genannt), der emporwächst und eine Rinne für das abfließende Wasser bildet. Die Steinerne Rinne bei Rohrbach ist circa 80 Meter lang und teilweise bis zu einem Meter hoch.  Steinerne Rinne Da die Ausfällung des Kalkes und die Fortbildung der Rinne ein noch immer andauernder Prozess ist, sollte der Besuch keine nachhaltigen Schäden verursachen. Unter günstigen Bedingungen wächst die steinerne Rinne jährlich um 1 bis 2 cm.