Exkursion Wehrer- |und Hasler- Erdmannsweg

Die Verbindung von Kalk-Themen mit der Region des Südschwarzwaldes mag auf den ersten Blick etwas verwundern – schließlich besteht das Grundgebirge des Schwarzwaldes aus Gneis und Granit, das im Laufe der vergangenen Jahrmillionen durch Gletscher, Erosion sowie Hebe- und Senkprozesse geformt wurde. Eine kleine Region unterscheidet sich geologisch betrachtet jedoch grundsätzlich vom Schwarzwald und aus im Süden durch den Oberlauf des Rhein getrennte angrenzenden Schweizer Juragebirge: der Dinkelberg (bis 535 m ü. NHN), ein kleiner Gebirgszug im Südschwarzwald, der zwischen den Orten Schopfheim (Norden), Rheinfelden (Süden), Wehr (Osten) und Lörrach (Westen) liegt.


Dieser Berg ist eine alte Kalksteinformation, die als Karstgebiet eingestuft wird, also eine Landschaft, die vor allem durch Kohlensäureverwitterung auf Kalksteinuntergrund entstanden ist und sich auch heute noch immer weiter entwickelt. 

Wie entsteht eine Karstlandschaft?
Wasser ist nicht nur Transportmittel, sondern vor allem auch chemisches Reagenz. Bleibt es lange genug mit Mineralien in Kontakt, so können diese sich lösen. Dies gilt vor allem für Kalkstein. Wasser ist in der Lage, Kohlendioxid in der Luft aufzunehmen und Kohlensäure zu bilden. Kohlensäure kann wiederum das harte Calciumcarbonat des Kalksteins in lösliches Hydrogencarbonat verwandeln, welches schließlich mit dem Wasser ausgewaschen und abtransportiert wird. Durch derartige Lösungsvorgänge können charakteristische Oberflächenformen in der Landschaft entstehen, die als „Karst“ bezeichnet werden. Der Name „Karst“ leitet sich von der Landschaftsbezeichnung der Kalksteinhochfläche im slowenisch-kroatischen Gebirge bei Triest ab, wo die Eigenschaften und die Entstehungen des Karst und seine Formen weitreichend untersucht wurden. Durch die Lösung von Kalkgestein können ganze Karstlandschaften entstehen, die sich durch eine einzigartige Formenvielfalt auszeichnen.

Diese Karstformen treten in verschiedenen Größenordnungen auf, beginnend bei kleinsten Oberflächenstrukturen wie Karren (Furchen und Rinnen) bis hin zu großen, zum Teil unterirdischen Hohlräumen, die beim Einsturz trichterförmige Senken (Dolinen) bilden. Charakteristisch für Karstgebiete ist die vorwiegend unterirdische Entwässerung durch Spalten, Schlote und Höhlen. Daher ist es in Karstgebieten oftmals zu beobachten, dass Oberflächengewässer im eigenen Flußbett versickern (Flußschwinden; z. B. die Donauversickerung bei Immendingen), um dann als unterirdischer Höhlenfluß im Kalkgestein weiter zu fließen. Dabei kann es u. a. auch zur Bildung von Höhlenseen und periodischen Oberflächenseen kommen, die durch schnell schwankendes Grundwasser entstehen (siehe Exkurs zum Eichener See). Ebenso kann das in einer Karstlandschaft unterirdisch verlaufende Wasser an entsprechender Stelle wieder zu tage treten (Karstquelle, Speiloch, Höhlentor usw.). Doline Hasel  Das urzeitliche Meer, das vor ca. 200 Millionen Jahren Süddeutschland bedeckte – welches uns ja schon bei dem Spaziergang nach Solnhofen und Umgebung „begegnete“ –  hinterließ auch im Bereich des heutigen Schwarzwaldes durch Ablagerungen und Sedimentation von Muscheln und Korallen seine Spuren. Im Tertiär, also vor ca. 65 Millionen Jahren, begann sich die Gegend zu heben, was zugleich zu einem Einbruch des Oberrheingrabens führte und noch heute die Grenze zwischen Deutschland, der Schweiz und Frankreich im Dreiländereck anzeigt. Im Bereich des Schwarzwaldes setzte eine besonders starke Erosion ein, so dass das aufliegende Deckgebirge, also die Kalkablagerungen aus dem Meer, vollständig abgetragen wurden - bis auf den Dinkelberg! Die vielen Erosionsprozesse, die noch immer sowohl frei sichtbar als auch unterirdisch ablaufen, sind rund um diese „geologische Insel“ zu beobachten. Zwei dieser besonderen Naturprozesse sind besonders sehenswert:

Die Erdmannshöhle am Ortsrand Hasel (auch Hasler Höhle genannt) Bei der Erdmannshöhle handelt es sich um eine der ältesten Tropfsteinhöhlen Deutschlands. Tropfsteinhöhlen entstehen nur in kalkhaltigem Gestein, in welchem über Jahrtausende und Jahrmillionen kalkhaltiges Wasser von der Decke tropft und sich der Kalk sowohl an der Decke (Stalaktiten) als auch am Boden (Stalagniten) ablagert. Mit einer vermessenen Gesamtlänge von 2185 Metern, von denen ca. 360 Meter seit dem Jahr 1773 als Schauhöhle besucht werden können, bietet die Erdmanns-höhle ein einmaliges Naturschauspiel. Sie hat ihren Namen übrigens von einer Sage, in welcher die Höhle von kleinen Erdmännchen und Erdweibchen bevölkert wurde.

(Quelle: Erdmannshöhle, Informationsschrift der Gemeinde Hasel, 2005)

Während der Führung durch den Schauteil durchwandert der Besucher unterschiedliche Bereiche wie den „Tempel“, die „Bachhöhle“ und den „Rittersaal“, in deren Namen sich die phantastische Umgebung widerspiegelt. Vielleicht sehen und finden Sie auch neue Phantasiegebilde, die sich aus den Kalkformationen zusammensetzen?  Interessant sind neben dem größten und ältesten Tropfstein mit über 4 Metern Höhe und 2 Metern Dicke und einem geschätzten Alter von über 1 Million Jahre, den es hier zu besichtigen gibt, vor allem auch die Gesteinsschichten der Höhlenwände, an denen man sehen kann, wo der Schwarzwald - also Gneis und Granit – aufhört und der Dinkelberg (Kalk) anfängt.

Hier die Beschreibung der Erdmannshöhle im Alemannischen. Na, verstehen Sie was?
D'Erdmannshöhli isch e Charschdhöhli im Wehratal im Südschwarzwald. Well de Iigang grad öbbe bi Hasel isch, isch si au unter Hasler Höhli bekannt. Di erschdi urkundlichi Erwähnig isch vo anne 1755. Ihre Name het si vo nere Sage, wonoch in de Höhli Zwärgli, also Erdmännli, läbe un schaffe. De erforschte Teil isch öbbe 2350m lang, aber es het no ne huffe Gäng, wo so eng sin, daß mer nit weiß was no hindedra chunt. 360m dodevo chasch aluege. In de Höhli hets ä huffe Tropfstei, ä chlaine See un au e unterirdische Bach goht dedure. Sällem Bach würd nochgesait, daß e deil vom Wasser vom Eiemer See stammt. Quelle: als.wikipedia.org/wiki/Erdmannshöhle

Exkurs: Der Eichener See
Wenn Sie aus Richtung Schopfheim auf der B 518 nach Hasel oder Wehr gefahren sind, dann ist Ihnen vielleicht ein kleiner See auf der rechten Seite der Straße aufgefallen – oder eben nicht. Denn eventuell war er gar nicht da! Hier zeigt sich eine weitere Besonderheit dieser Karstlandschaft. Der Grundwasserspiegel liegt normalerweise ca. 8 Meter unter dem See. Aufgrund starker Niederschläge kann sich aber hier das Grundwasser um bis zu 11 Meter heben, so dass plötzlich – und relativ schnell – ein bis zu 3 Meter tiefer See gebildet wird, der dann 300 Meter Durchmesser hat. Der See „verschwindet“ dann wieder durch Verdunstung des Wassers.  Wann der See sichtbar ist, ist schwer vorhersagbar. Manchmal ist er mehrmals im Jahr zu sehen, dann bleibt er über Jahre verschwunden. Mal sehen, ob er sich bei Ihrem Besuch zeigt?!

Der Wehratal-Erlebnispfad
Einen schönen Spaziergang durch die Landschaft kann man ab Wehr machen. Hier fließt die Wehra von ihrer Quelle bei Todtmoos vorbei, bevor sie bei Öflingen in den Rhein mündet. Flussaufwärts ab dem Parkplatz des Wehratal-Stausees führt der Weg 9 Kilometer durch die steile Wehratalschlucht, die heute als Bannwald, d.h. Totalreservat in Bezug auf forstwirtschaftliche Nutzung, geschützt wird.  Der gesamte Weg der Wehra über die insgesamt 27 Kilometer und ca. 1000 Metern Höhenunterschied von ihrer Quelle bis zur Mündung wurde vor kurzem durch die angrenzenden Gemeinden Todtmoos und Wehr als „Wehratal-Erlebnispfad“ aufbereitet (Internetadresse zu Erlebnispfad-Flyer siehe unten). An ca. 30 Stationen entlang des Flusses wurden Schautafeln mit Erklärungen, sowohl zu den biologischen, geologischen und ökologischen Grundlagen der Umgebung als auch der im Schwarzwald verankerten Wirtschaftszweige wie Glas- und Papierherstellung, Holzverarbeitung und andere angebracht.  Weitere thematisieren neben Sagen auch religiöse Inhalte und spiegeln so auch die kulturellen Wurzeln der einheimischen Vergangenheit wieder. 

Für das Thema Kalk wird der Erlebnispfad ab Wehr flussabwärts noch einmal interessant: hier führt der Weg wieder direkt am Dinkelberg vorbei und offenbart eine wirtschaftliche Nutzung dieser Landschaft: die Gipsherstellung. Schon ab 1800 gab es am Fuß des Dinkelberges mehrere Gipsmühlen, in denen die Gipssteine, welche in den Stollen des Berges geschlagen worden waren, in den Mühlen zuerst gebrannt und dann zwischen den Mühlsteinen zu Gipsstaub, gemahlen wurden. Dieser verschönerte dann durch das Auftragen auf z.B. Außenwände die Häuser. Ab Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren die Mühlen nicht mehr rentabel und wurden geschlossen. 

Zur Wanderung:
Der beschriebene Spaziergang um die Erdmannshöhle (Wehrer-Erdmannsweg) ist für Familien mit Kindern geeignet. Besonders der Besuch des Erlebnispfades kann individuell nach Tagesform und Interesse gestaltet werden und muss nicht in gesamter Länge gelaufen werden.  Rollstuhlfahrer werden keine Probleme bei der Besichtigung der Erdmannshöhle haben, jedoch ist der Erlebnispfad nicht mit Rollstuhl befahrbar.

Informationen zur Erdmannshöhle
Öffnungszeiten:  April und Oktober: werktags 13-17 Uhr
Sa, So und Feiertag: 10-17 Uhr
Mai bis September: täglich 10-17 Uhr
Die Führung dauert ca. 30 bis 40 Minuten
Information und Anmeldung: Tel.: 07762 - 809901
Im Internet unter: http://www.gemeinde-hasel.de/inhalt.php?WEBYEP_DI=4


Informationen zum Wehratal-Erlebnispfad
Kultur- und Verkehrsamt Wehr
Hauptstr. 14
79664 Wehr
Tel: 07762 - 808-601
kulturamt-vhs(at)wehr.de
www.wehr.de

Flyer zum Erlebnispfad: http://www.todtmoos.de/de/wandern/wehratal-erlebnispfad.pdf